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  • ''Verpiss dich mit deinem Scheiß-Rolli!''

    Es fehlt teilweise das Bewusstsein, wie Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung sich bewegen innerhalb der Gesellschaft. Die Art und Weise wie ich damit vor kurzem konfrontiert worden bin aber, würde ich allerdings als erfrischend bezeichnen.

    Letzte Woche Mittwoch traf ich kurz vor Mitternacht ein am Stuttgarter Hauptbahnhof. Ich war unterwegs für die Aufzeichnung einer Fernsehsendung. An der Vorderseite des Bahnhofes, standen die Taxis's. Weil ich gerade zwei Kurzstrecken mit dem Flugzeug und einen Zugfahrt hinter mir hatte, wollte ich mir ein Taxi gönnen, damit ich die letzten Kilometer bis ins Hotel überbrücken konnte.

    Etwas müde aber trotzdem freundlich, frag ich den Fahrer des Autos was als erste an der Reihe ist, ab er mich mitnehmen kann zum Marienplatz. Der Fahrer – auf Grund seiner Deutschkenntnisse vermute ich einen Migrationshintergrund – antwortet mir: 'Rollstuhl geht nicht.'

    Es ist nicht das erste Mal dass ein Taxifahrer schlichtweg verweigert mich mitzunehmen, nur weil ich im Rollstuhl unterwegs bin. Ohne mich aber über seine Antwort aufzuregen, erkläre ich ihm kurz und sachlich wie ich die Räder meines Rollstuhls abnehmen kann, die Rückenlehne nach vorne klappen, damit das alles klein und kompakt wird. Auf diese Weise sollte es wohl möglich sein, mich und meinen Rollstuhl mitzunehmen. Der Fahrer aber, den ich irgendwo Mitte 30 schätze, beharrt.
    'Nicht mit Rollstuhl. Geh zum Kollegen mit Kombi.'

    Ich zucke mit den Schultern und lass es sein. Wahrscheinlich weil ich einfach zu müde bin mich weiter mit ihm auseinanderzusetzen. Ich möchte nur noch ins Hotel und ab ins Bett.

    Der 'Kollege-mit-Kombi' steht drie, vier Auto's weiter weg. Wenn ich ihn frage ob er mich zum Marienplatz bringen könnte, fragt er mit einem schwäbischen Akzent, wieso sein Kollege der ganz vorne steht, das nicht macht.
    'Ihr Kollege meint, mein Rollstuhl könne nicht mit.', antworte ich. 'Obwohl ich ihm erklärt habe, dass es kein Problem ist.'
    Anschließend erkläre ich erneut wie man meinen Rollstuhl in wirklich jedes kleines Auto mitnehmen kann. Ich war mal unterwegs mit einem Mini, zur Zweit. Und auch das hat geklappt.

    Ohne weiter etwas zu sagen, spaziert der Schwabe nach vorne. Er diskutiert mit dem Fahrer. Auch ich bin dabei.
    'Rollstuhl geht nicht. Heute morgen, ich hatte Probleme mit Rollstuhl.' erwidert der erste Fahrer. Daraufhin fragt der ältere Mann ob ich seinem jüngeren Kollegen noch einmal erklären könnte, wie es mit meinem Rollstuhl funktioniert. Obwohl mein Ärger sich bemerkbar macht und mein Herz anfängt ein ganz wenig schneller zu schlagen, erkläre also nochmals wie das alles geht.

    Gerade alles nochmal ausführlich auseinandergesetzt, wie ich die Räder abmachen kann und die Rückenlehne nach vorne klappen, fragt der unfreundliche Fahrer: 'Also, Rollstuhl zusammenfalten, ja?'

    Und weil ich auch nur ein Mensch bin, und einen langen Tag hinter mir habe, schreie ich auf einmal: 'Nein, Idiot! Nicht zusammenfalten! Ich dir schon dreimal gesagt wie es geht!'

    Wie von einem Hund gebissen, macht der Fahrer einen Schritt zurück und ruft dass er aggressive Kunden nicht mitnimmt! Ich schaue um mich herum. Ich vermute, weil ich hoffe, dass einer von den anderen mir vielleicht hilft. Aber keiner macht etwas. Alle gucken nur zu.

    Ich sage laut, dass es eine Unverschämtheit ist, dass keiner mich einfach mitnehmen will. Eine Reaktion der Fahrer bleibt aus.

    Dann also dass ich die Polizei holen werde. Gerade wenn ich mich umdrehe, damit ich zurück ins Bahnhof gehen kann, auf der Suche nach der Polizei, höre ich wie der durchaus unfreundliche Fahrer mich anschnauzt: 'Verpiss dich mit deinem Scheiß-Rolli!'

    Hier geht's zum Teil II.